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Ein Aufzug, der lügt (und was das mit Ihrer Navigation zu tun hat)


Stellen Sie sich eine ganz alltägliche Situation vor. Sie betreten den Aufzug, vor Ihnen ist eine Tafel mit den Etagenzahlen. Können Sie sie bedienen? Natürlich. Und genau deshalb schreibe ich heute ein Loblied auf den Aufzug – die einfachste Benutzeroberfläche. Die Benutzeroberfläche des Aufzugs, wenn man diese paar Zahlen überhaupt so nennen kann, besitzt den höchstmöglichen Grad an Intuitivität, eine Eigenschaft, bei der vorheriges Lernen kaum nötig ist.

Wollen Sie in den dritten Stock? Sie drücken den Knopf und wenn sich die Türen öffnen, sind Sie da. Ich habe noch von niemandem gehört, der bei der Nutzung eines Aufzugs viel nachdenken müsste. Im Gegenteil, meistens beobachte ich Menschen, die, während sie auf dem Telefon wichtigere Dinge tippen, den Etagenknopf quasi nebenbei drücken. Intuitiv. 

Ein bisschen Science-Fiction 

Stellen Sie sich nun eine fast identische Situation vor. Sie drücken den Knopf für den dritten Stock, der Aufzug fährt hoch, und nach einer Weile öffnen sich die Türen. Sie treten heraus – und stellen fest, dass Sie in einem völlig anderen Gebäude stehen. Am anderen Ende der Stadt. Vielleicht des Landes. Oder der Welt. Sie sind zwar im dritten Stock, aber das ist in diesem Moment nicht mehr im Geringsten relevant. 

Sie sind nicht nur verwirrt. Wahrscheinlich sind Sie auch ein wenig wütend auf den Aufzug und seine Tafel mit den Zahlen, die Sie … hereingelegt hat. 

Aufzügen passieren solche Dinge natürlich nicht – außer vielleicht in einem Science-Fiction-Film oder -Buch. Ihre »Benutzeroberfläche« hat jahrzehntelange Erprobung in der realen Welt hinter sich, und wir, die Benutzer, haben sie vollständig verinnerlicht. 

Genau so, wie wir das Menü auf Ihrer Website oder in Ihrer App verinnerlicht haben. 

Navigation 

Die Definition einer Website lautet üblicherweise: Es handelt sich um eine Reihe von Seiten unter derselben übergeordneten Domain, mit einem gemeinsamen Identifikator (in der Regel dem Logo oben links), einem einheitlichen visuellen Erscheinungsbild und einer Navigation. Die Liste der Inhalte, auf die der Benutzer zugreifen kann, nennen wir romantisch »Menü«, technischer aber Navigation. 

Und genau die Navigation sorgt – wie im Wald oder auf offener See – dafür, dass der Benutzer nicht verlorengeht. 

Wenn wir eine der Optionen in der Navigation auswählen, erwarten wir etwas sehr Ähnliches wie im Aufzug: Man drückt den Knopf für den dritten Stock und kommt im dritten Stock an. Also auf einer Unterseite mit demselben oder zumindest einem verwandten Titel wie der Link. Aber Vorsicht – innerhalb derselben Website. 

Man kann sich die Website wie ein Gebäude vorstellen und die Navigation wie das Tastenfeld. Da die Navigation hierarchisch dem Identifikator (dem Logo) untergeordnet ist, versteht der Benutzer zu Recht, dass er sich bereits innerhalb eines konkreten Gebäudes befindet. Die Navigation ist also ein internes – kein externes – Leitsystem. 

Und wo liegt das Problem? 

Allzu oft finden sich in der Navigation einer Website Links zu völlig anderen Websites – und das nicht nur bei (halb)amateurhaften Projekten. Dieser äußerst frustrierende Fehler tritt gerne auch auf großen, mitunter globalen Services auf. 

Links, die anderswohin führen, nennen wir externe Links (external links). Wenn sie in der Navigation auftauchen, sind sie für die Benutzererfahrung geradezu schädlich. 

Warum? Weil der Benutzer beim Klick auf einen Link im Hauptmenü (oder überall dort, wo er intuitiv eine interne Navigation erwartet) nicht damit rechnet, woanders zu landen. Er erwartet, auf derselben Website zu bleiben. Dass ihn dieselbe Navigation begleitet. Und dass er mit einem Klick auf das Logo jederzeit »nach Hause« zurückkehren kann. 

So wie im Aufzug erwartet er auch hier Konsistenz. Unabhängig davon, in welchem Stockwerk Sie einsteigen, erwartet Sie im Aufzug dasselbe Tastenfeld mit denselben Knöpfen.

Nicht besser ist es, wenn Sie den Benutzer auf eine »befreundete« Website führen, etwa auf eine separate Seite Ihrer zweiten Marke. Ironischerweise kann es sogar schlimmer sein: Aufgrund der ähnlichen visuellen Gestaltung merkt der Benutzer zunächst gar nicht, dass er woanders ist. Und die Verwirrung ist noch größer. 

Ein Usability-Fehlgriff. Und ein großer. 

Was ist zu tun? 

An externen Links ist an sich nichts verkehrt. Wir sollten uns jedoch an zwei Grundsätze halten: 

  • Externe Links gehören nicht in die Navigation der Website, 

  • wir müssen dem Benutzer klar und rechtzeitig – noch bevor er klickt – mitteilen, dass es sich um externe Links handelt. 

Damit geben wir ihm ein Gefühl der Sicherheit. Vor allem aber eine klare Botschaft: »Mit diesem Klick verlassen Sie diese Website. Sie werden woanders landen. Die Navigation wird anders sein. Auch 'Startseite' ist nicht mehr dieselbe.« 

Möglichkeiten zur Kennzeichnung externer Links

Auf einer Website verwenden wir in der Regel eine einheitliche Art, externe Links zu kennzeichnen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, aber keine davon gehört in die Hauptnavigation.

  1. A Das Icon »externer Link« oder »Internet«. Die meisten Benutzer erkennen sie
  2. B besonders hilfreich sind sie dort, wo sich interne und externe Links in derselben Liste mischen. Natürlich wählen wir nur eines von beiden.
  3. C Klarer Text, z. B. »Mehr auf der Website Tegaintega« oder »Mehr auf www.tointo.com«. Einfach und wirkungsvoll.
  4. D Ein Link in Form eines Logos oder Banners. Da sich das Logo vom Identifikator der aktuellen Website unterscheidet, kann der Benutzer schließen, dass der Link nach außerhalb führt.
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Nie in der Navigation. Auch wenn es Sie eine Unterseite kostet. 

Manchmal landen externe Links in der Navigation einfach deshalb, weil es sonst keinen Platz für sie gibt. Es gibt keine Unterseite, der man sie zuordnen könnte. 

Die Lösung? Eine neue Unterseite. 

Zugegeben, das erfordert etwas mehr Arbeit, denn es gilt auch, passende Inhalte zu erstellen. Eine Seite mit nur einem einzigen Button möchten Sie vermutlich nicht – doch genau das ist der Preis für eine gute Benutzererfahrung.

Für den Benutzer ist es nämlich deutlich angenehmer, die grundlegenden Informationen (etwa zu Ihrem Produkt) bereits auf der Website zu erhalten, auf der er sich gerade befindet. Und erst danach, wenn ihn das Thema wirklich interessiert, den Weg über den externen Link fortzusetzen. 

So wie beim Aufzug muss auch die Navigation Sie zunächst zum Ziel innerhalb desselben Gebäudes führen. Erst danach können Sie sich bewusst anderswohin aufmachen.

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