Was sich bei VMware geändert hat
Broadcom hat nach der Übernahme von VMware Ende 2023 die Art des Verkaufs grundlegend geändert. Abonnements ersetzten unbefristete Lizenzen mit Wartung, das Angebot wurde in wenigen Paketen gebündelt (zum Beispiel VMware Cloud Foundation und vSphere Foundation), und der Preis wird pro CPU-Kern berechnet. Pro Prozessor werden mindestens 16 Kerne berechnet. Auch das Partnerprogramm hat sich geändert, sodass viele Organisationen den Anbieter gewechselt oder deutlich andere Angebote erhalten haben.
Bei modernen Prozessoren mit vielen Kernen und bei Unternehmen, die nur Grundfunktionen nutzten, bedeutete das häufig spürbar höhere Jahreskosten. Deshalb prüfen immer mehr Organisationen eine VMware Alternative. Am häufigsten genannt wird Proxmox VE. Einen groben Kostenvergleich erstellen Sie mit dem Rechner auf dieser Seite.
Was ist Proxmox VE
Proxmox Virtual Environment ist eine Open-Source-Virtualisierungsplattform des österreichischen Unternehmens Proxmox Server Solutions. Sie basiert auf Debian Linux, dem Hypervisor KVM für virtuelle Maschinen und LXC für Container. Verwaltet wird sie über eine Weboberfläche, die Kommandozeile oder eine API.
- Hochverfügbarkeits-Cluster und Live-Migration virtueller Maschinen,
- integrierter verteilter Ceph-Speicher sowie Unterstützung für ZFS, NFS, iSCSI und weitere Speichertypen,
- Software-Defined Networking (SDN) und integrierte Firewall,
- Backup mit dem Proxmox Backup Server oder Lösungen von Drittanbietern wie Veeam,
- Import-Assistent für virtuelle Maschinen direkt von ESXi.
Die Software ist kostenlos. Das Abonnement wird pro CPU-Sockel und Jahr berechnet und umfasst den Zugang zum stabilen Update-Repository sowie, je nach Paket, den technischen Support des Herstellers. Die Zahl der Kerne wirkt sich nicht auf die Kosten aus.
VMware und Proxmox VE im Vergleich
| Bereich | VMware vSphere (Broadcom) | Proxmox VE |
|---|---|---|
| Lizenzmodell | Abonnement pro Kern, mindestens 16 Kerne pro Prozessor | Open Source, optionales Abonnement pro Prozessor |
| Hypervisor | ESXi | KVM (und LXC für Container) |
| Hochverfügbarkeit, Live-Migration | Ja (HA, vMotion) | Ja (HA, Live-Migration) |
| Software-Defined Storage | vSAN (je nach Paket) | Ceph, ZFS |
| Automatische Lastverteilung | DRS, ausgereift und verbreitet | Grundlegende Möglichkeiten, je nach Version; oft ist zusätzliche Automatisierung nötig |
| Ökosystem und Integrationen | Sehr breit, viele zertifizierte Lösungen | Wachsend, offene API, Unterstützung führender Backup-Lösungen |
| Know-how am Markt | Weit verbreitet | Basiert auf Linux und KVM; das Team braucht Linux-Kenntnisse |
Proxmox VE ersetzt nicht alle Teile des VMware-Ökosystems unmittelbar. Wenn Sie zum Beispiel NSX für Mikrosegmentierung, VMware Horizon für virtuelle Desktops oder die Aria-Werkzeuge für Automatisierung nutzen, müssen Sie für diese Funktionen separate Lösungen finden.
So berechnen Sie die TCO
Ein Vergleich der Lizenzpreise genügt nicht. Die Gesamtkosten (TCO) über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren umfassen:
- Abonnements: bei VMware die Zahl der lizenzierten Kerne mal Preis pro Kern, bei Proxmox die Zahl der Prozessoren mal Preis des Support-Pakets,
- Migration: einmalige Kosten für Planung, Tests, Übertragung und Anpassungen,
- Backup: oft ähnlich auf beiden Plattformen, wenn Sie beim selben Anbieter bleiben,
- Know-how und Arbeitsaufwand: Schulung des Teams und gegebenenfalls externer Support,
- Hardware und Speicher: der Wechsel ist eine gute Gelegenheit zur Überprüfung, aber nicht zwingend nötig.
Wichtig ist zu verstehen, wie die Hardware das Ergebnis beeinflusst. Da VMware pro Kern und Proxmox pro Prozessor abrechnet, wächst der Unterschied mit der Zahl der Kerne. Ein Server mit zwei 32-Kern-Prozessoren bedeutet bei VMware 64 lizenzierte Kerne, bei Proxmox zwei Abonnements. Bei Prozessoren mit weniger als 16 Kernen berechnet VMware trotzdem 16 Kerne pro Prozessor, kleinere Umgebungen entgehen dem Mindestbetrag also nicht. Eine Konsolidierung auf weniger, aber leistungsstärkere Server wirkt sich auf beiden Plattformen daher finanziell unterschiedlich aus.
Der Rechner deckt die ersten drei Positionen ab. Alle Standardpreise sind Annahmen: Geben Sie den VMware-Preis aus Ihrem Angebot ein und prüfen Sie die Preise der Proxmox-Abonnements auf der offiziellen Seite des Herstellers.
So läuft die Migration ab
- Bestandsaufnahme. Virtuelle Maschinen, Betriebssysteme, Abhängigkeiten, Speicher, Netzwerke und die VMware-Funktionen, die Sie tatsächlich nutzen.
- Architekturplanung. Größe des Clusters, Speicher (Ceph, ZFS oder vorhandenes SAN), Netzwerke und Backup.
- Pilot. Übertragung weniger kritischer Server, Prüfung von Leistung und Wiederherstellungsverfahren.
- Schrittweise Migration. Übertragung in Gruppen in vereinbarten Wartungsfenstern, mit Installation der VirtIO-Treiber und Funktionsprüfung.
- Übergabe in den Betrieb. Überwachung, Updates, Dokumentation und Schulung des Teams.
In den meisten Umgebungen lässt sich die Migration mit relativ kurzen Unterbrechungen einzelner Dienste durchführen. Kritische Systeme mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen sind gesondert zu planen.
Backup, Sicherheit und Support
Beim Wechsel der Virtualisierungsplattform sind drei Bereiche besonders zu beachten, die ein Lizenzvergleich nicht zeigt.
Backup. Veeam Backup & Replication unterstützt Proxmox VE, sodass Organisationen, die Veeam bereits nutzen, dieselben Verfahren, Aufbewahrung und unveränderlichen Kopien beibehalten können. Eine Alternative ist der Proxmox Backup Server, der inkrementelle Backups mit Deduplizierung und Verschlüsselung bietet. Testen Sie in jedem Fall vor der Migration von Produktivsystemen die Wiederherstellung ganzer virtueller Maschinen und einzelner Dateien.
Sicherheit und Compliance. Der Hypervisor ist ein kritischer Teil der Infrastruktur. Sorgen Sie für regelmäßige Updates aus dem stabilen Repository, getrennten Verwaltungszugang, Multi-Faktor-Authentifizierung für Administratoren, zentrale Protokollierung und Netzwerksegmentierung. Für Unternehmen, die unter NIS2 fallen, gehören diese Maßnahmen zum verpflichtenden Risikomanagement, mehr dazu im Leitfaden NIS2-Umsetzung. Wer die Daten zudem in europäischen Rechenzentren und unter eigener Kontrolle halten möchte, profitiert von einer Plattform ohne Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller.
Support. Die Proxmox-Abonnementpakete unterscheiden sich in der Zahl der Support-Anfragen und in den Reaktionszeiten. Für Produktivumgebungen mittlerer und großer Unternehmen ist die Kombination aus Herstellerabonnement und einem Partner sinnvoll, der Ihre Umgebung kennt und gut erreichbar ist.
Schrittweises Vorgehen. Der Wechsel muss nicht auf einmal erfolgen. Häufig wird ein neuer Proxmox-VE-Cluster zuerst für Entwicklungs- und Testumgebungen genutzt, dann für weniger kritische Produktivsysteme und erst danach für zentrale Anwendungen, wenn das Team Erfahrung gesammelt hat.
Wann der Wechsel sinnvoll ist
Der Wechsel zu Proxmox VE ist in der Regel sinnvoll, wenn Sie überwiegend Basisvirtualisierung nutzen, viele Kerne pro Prozessor haben, Ihr VMware-Vertrag ausläuft und Sie Linux-Know-how haben oder sicherstellen können. Vorsicht ist bei Umgebungen geboten, die stark von NSX, Horizon oder von Softwarezertifizierungen abhängen, die VMware voraussetzen.
Humanfrog ist Proxmox- und Veeam-Silver-Partner. Wir unterstützen bei Bewertung der Umgebung, Architekturplanung, Migration und Betriebssupport, auch in Rechenzentren der Kategorie TIER III. Wenn Sie die Berechnung anhand Ihrer Umgebung prüfen möchten, sprechen Sie mit uns.